Detox: Müssen wir entgiften?

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Bald beginnt wieder die Fastenzeit, eine Zeit des Verzichts und der Eigendisziplin. Viele Menschen nutzen diese Phase, um sich etwas abzugewöhnen, Überfluss zu reduzieren oder tatsächlich um zu fasten, also kaum zu essen. Eigentlich religiös begründet, hat sich die Fastenzeit hin zu einem Trend entwickelt: Ein paar Dinge weglassen und sich selbst ein gutes Gefühl geben. Das kann durchaus sehr gut funktionieren und das Bewusstsein für die eigenen Gewohnheiten schärfen. Wir lenken heute jedoch den Blick auf die Ernährung und beschäftigen uns mit einem Trend, der sich insbesondere in der Fastenzeit und am Jahresanfang großer Beliebtheit erfreut: Detox!

Hand aufs Herz: Wie oft hast du selbst schon über Detox nachgedacht, eine Entgiftungszeit eingelegt oder eine Saftkur durchgezogen? Wahrscheinlich nicht nur einmal. Es ist schier unmöglich, dem Trend nicht zu begegnen: Das Wort Detox prangert gefühlt auf jeder dritten Lifestyle-Zeitschrift, auf Social Media und in der Werbung. “Detox your life: Bessere Gesundheit in nur 7 Tagen!” Checken wir mal, was dran ist!

Detox im Kurzcheck
Es gibt unzählige Programme zum detoxen, also dem Entgiften des Körpers. Mit einer Saftkur, nur Smoothies oder einem Mix aus Zitronenwasser, Ahornsirup und Cayennepfeffer, um nur einige zu nennen, sollen Krankheiten bekämpft, das Immunsystem gestärkt und Giftstoffe dem Körper entzogen werden. Soweit so gut. Aber woher weiß ich, was genau ich tun soll? Welche Methode ist die beste? Da wären wir auch schon beim Knackpunkt: Es gibt kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über Detox-Methoden. Etwas überraschend, oder?! Entgiftungsmethoden, die den Körper wirksam gesünder machen sollen und dann fehlt es an Beweisen – hier gibt es allen Grund zur Skepsis. Zwar wurde festgestellt, dass eine Detox-Phase zum Beispiel zu Gewichtsverlust und einem besseren Wohlbefinden führen kann, aber woran das noch liegen könnte, dazu kommen wir später noch. 

Tatsächlich schreibt das National Center for Contemplemantary and Integrative Health, dass viele Methoden des Entgiftens Gefahren für den Körper bergen. Zum einen werden in einer Fastenzeit oftmals nicht alle elementar wichtigen Nährstoffe aufgenommen, zum anderen kann der Verdauungstrakt Schäden erleiden, insbesondere bei Personen mit Empfindlichkeiten oder Vorbelastungen in diesem Bereich. Bei einer einseitigen Aufnahme von bestimmten Lebensmitteln besteht außerdem die Gefahr eines Elektrolyte-Ungleichgewichts. Elektrolyte sind wichtige Helferlein unseres Körpers: Sie unterstützen die Regulierung der Herz- und neurologischen Funktionen, sorgen für das Aufrechterhalten des Flüssigkeitshaushaltes, der Sauerstoffzufuhr, des Säure-Basen-Gleichgewichts und weiteren Funktionen. Eine Studie hat außerdem gezeigt, dass der Verzehr von zu viel Detox-Tee zu einem Nierenversagen führen kann. Wohlgemerkt ist die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch, aber Vorsicht ist dennoch geboten. Oft wissen wir auch gar nicht so ganz genau, wie es um unseren Körper besteht – da wäre es doch vermessen, ein Detox-Programm durchzuziehen ohne uns vorher beim Arzt zu informieren, ob das sinnvoll ist und welche Art sich für uns eignen könnte.



Brauchen wir Entgiftung überhaupt?
Die Frage lässt sich klar beantworten: Ja. Aber nicht so, wie es viele Detox-Methoden empfehlen, nämlich einseitig und nicht individuell auf den Körper abgestimmt. So gibt es zum Beispiel Aktivkohle – davon hast du bestimmt auch schon mal gehört. Aktivkohle soll Giftstoffe binden und aus dem Körper schwemmen. Es gibt sie inzwischen teilweise frei verkäuflich oder in Lebensmitteln enthalten. Eigentlich dient sie aber dazu, dem Körper nach einer starken Medikamentenkur aufgrund von Krankheiten Giftstoffe zu entziehen, die mit dem Medikamenten aufgenommen wurden (Studie). Die Idee, präventiv Aktivkohle zu konsumieren ist keine gute, denn sie bindet auch Stoffe, die für unseren Körper sehr gut sind und unterscheidet nicht zwischen gut und böse. Sie reinigt also zu intensiv. Das lässt sich auch übertragen auf andere, einseitige Detox-Methoden: Es werden teilweise wertvolle Mineralien und Spurenelemente mit ausgeschieden, denn es fehlt sozusagen der Türsteher, der entscheidet, wer gehen darf und wer nicht. Wobei, es gibt da ein nützliches Duo, das einen super Job macht: Leber und Niere. Dazu gleich.

Was denn für Gifte überhaupt?
Warum reden wir eigentlich über Entgiftung, wenn wir uns durchschnittlich, vielleicht sogar gesund ernähren? Weil wir tatsächlich Giftstoffe in unserem Körper binden, wegen unserer Ernährung und unseres modernen Lebensstils. Je nachdem, wo du wohnst, bist du vielleicht vielen Abgasen von Autos ausgesetzt oder in deiner Nähe ist ein Restaurant, aus dem immerzu Rauch durch die Lüftung nach draußen gegeben wird. Oder du rauchst selber – dann ist die Giftstoffkonzentration natürlich besonders hoch. Auch durch unsere Ernährung nehmen wir, wenn auch nur geringe Spuren, Toxine auf. Quecksilberspuren in Fisch, Antibiotikarückstände in Fleisch oder Pestizidrückstände auf gespritztem Obst und Gemüse sind die Feinde deines Körpers. 

Detox, der natürliche Weg
Also, was tun gegen das Gift? An dieser Stelle kannst du dich freuen, dass wir von Natur aus mit hochwirksamen Waffen gegen Toxine und Co. ausgestattet sind. Wir haben eben die Leber und Niere erwähnt, die einen super Job machen. Auch die Lunge ist ein guter Arbeiter und viele weitere Organe auch: Sie sind unsere natürlichen Filter. Sie sind Entgiftungsorgane und sorgen dafür, dass wir viel gutes aufnehmen und schlechtes ausgeschieden wird. Und wir haben unseren Darm mit einer Armee aus Abermillionen, gut bewaffneter Kämpfer, die mit den bösen Bakterien auf Kriegsfuß stehen und bei ihrem eintreffen direkt auf sie losgehen. Unser Mikrobiom im Darm ist unsere Abwehrmaschine. Wie können wir unsere Krieger und natürlichen Abwehrmechanismen nun schützen?

  1. Giftstoffe meiden. Klingt leicht, ist es aber nicht immer. Du kannst zum Beispiel nicht rauchen oder Rauch meiden. Auch kannst du bei der Wahl deines Wohnorts beachten, dass du nicht direkt an einer Straße oder über der Lüftung eines Imbiss wohnst. Aktuell tragen wir viele Masken – auch sie sind ein Filter. Außerdem kannst du dich, sofern es dir möglich ist, auf biologisch angebautes Obst und Gemüse konzentrieren. Es enthält in der Regel deutlich weniger bis gar keine Pestizidrückstände. Auch kannst du konventionell angebautes Obst schälen um Gift auf der Oberfläche nicht mit aufzunehmen oder Gemüse gründlich waschen und putzen, bevor du es isst. 
  2. Ernähre dich gesund. Das ist tatsächlich der wichtigste Tipp, denn solange du alle wichtigen Nährstoffe und Vitamine aufnimmst, ist der Körper schon ganz gut aufgestellt. Egal, welche Ernährung deine ist, ob low carb, ketogen, vegan oder was auch immer: Achte auf gesundheitsfördernde Lebensmittel. Du kannst deinen Körper unterstützen, in dem du antioxidantienreiche Lebensmittel zu dir nimmst – sie binden freie Radikale, diese wiederum wollen deinen gesunden Zellen an den Kragen. Antioxidantien erkennst du, einfach ausgedrückt, an der Farbe der Lebensmittel. Sehr farbintensive Lebensmittel enthalten mehr Antioxidantien als farblose. Heidelbeeren, Grünkohl, Himbeeren, rote Zwiebeln, sie alle sind sehr gesund. Außerdem lieben deine Darmbakterien Ballaststoffe! So wie für Popeye der Spinat, sind Ballaststoffe für dein Mikrobiom das Wundermittel für ordentlich Power. Fermentierte Lebensmittel helfen ebenfalls den Darmbakterien und sind sehr gesund!
  3. Treibe Sport. Durch schwitzen scheidet der Körper ebenfalls Giftstoffe aus, so wie die Niere über den Urin Giftstoffe ausscheidet, tut die Haut dies über Schweiß. Außerdem stärkst du so dein Immunsystem um gewappnet zu sein gegenüber Krankheiten – du brauchst langfristig wahrscheinlich weniger Medikamente und nimmst weniger Gift zu dir.


Detox-Placebo?
Wie kommt es nun, dass so viele Menschen dennoch auf Detox schwören und sich auch tatsächlich besser fühlen, wenn sie eine Zeit lang entgiftet haben?! Die Erklärung ist relativ simpel. Wenn du dich schlecht ernährst und viele Süßigkeiten und Fertigprodukte zu dir nimmst und diese dann auf einmal weglässt, wird es dir schon psychologisch besser gehen – du weißt sicher, dass gesunde Ernährung anders aussieht. Wenn du nun auch noch mehr Gemüse zu dir nimmst, in geregelten Abständen isst und auch die Menge deiner Mahlzeiten deinen Körper nicht überfordern, wirkt sich das ebenfalls durchaus positiv auf deinen Körper aus. Im Durchschnitt nehmen die meisten Menschen zu viele Kalorien und deutlich zu viel Zucker zu sich. Sinkt deine Kalorienaufnahme, kann sich der Körper erholen und besser aufstellen. Durch radikale Detox-Methoden kann man schnell Gewicht verlieren, das stimmt sogar. Aber was da schmilzt, ist nicht das Fett: In erster Linie verliert der Körper Wasser, dreimal schneller als Fett. So ist die Anzeige auf der Waage bei Detox sehr trügerisch – und ein gesunder Lebensstil viel eher zu empfehlen.

Mit Keto regulierst du deine Kalorienaufnahme und ernährst dich bewusster. Das ist viel wirksamer als zu detoxen. Eine geplante Ernährung mit Konzentration auf gute Fette, kaum Zucker und viele gesunde Lebensmittel wird deinen Körper optimal unterstützen im Kampf gegen die Giftstoffe, die auf dich einprasseln. Du hast deine Gesundheit in der Hand!


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