Interview mit Keto-Koch Erhan Korkmaz

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Leidenschaftlicher Profi am Herd und Keto-Experte in einem: Erhan Korkmaz ist DER “Keto-Koch” aus Berlin, seine Gerichte sind zum Niederknien. Mit seinem Küchenmesser beweist er genauso viel Geschick wie in der beispiellosen kulinarischen Kombination von ketogenen Lebensmitteln. Wir haben ihn getroffen und gefragt, wie er zur ketogenen Ernährung gekommen ist, worauf er in der Küche nicht verzichten kann und was ihn das Kochen für’s Leben gelehrt hat.

Erhan, erzähl mal: Seit wann ernährst du dich ketogen?

Seit sieben Jahren ernähre ich mich bereits ketogen, richtig durchgestartet bin ich im Januar 2014.

Wie bist du zu dieser Ernährungsform gekommen?

Als Koch ist man direkt an der Quelle und berufsbedingt muss ich immer alles probieren was ich koche, bevor das Essen dem Gast serviert werden darf. (
grinst) Und natürlich zwischendurch die Naschereien und das Essen nach stressiger Arbeit als Belohnung – das hat logischerweise irgendwann angesetzt. Stolze 102 kg brachte ich auf die Waage. Da war klar: Ich muss die Notbremse ziehen und das habe ich gemacht. Ich bin nie ein Freund von Diäten gewesen, ich halte eigentlich gar nichts von Diäten. Sie bedeuten für mich Verzicht, und ich wollte nicht verzichten, denn Zwang führt zum Jojo-Effekt. Ich wollte den Ursachen auf den Grund gehen, damit ich auch effektiv Gutes für meinen Körper tun kann. Ich wurde schnell fündig und habe das Buch Weizenwampe von William  Davis gelesen. Ein Lichtlein ging mir auf. Kohlenhydrate waren mein Feind: Alle Weizenprodukte und Zucker, verarbeitete Lebensmittel sowie sämtliche Industrieprodukte und Fast Food, alles hatte ich vorher wie ein Verrückter in mich hineingestopft.
So stieß ich zu Ende 2013 zu Keto. Hier in Deutschland war diese Ernährungsform fast unbekannt, aber ich habe sehr viel gelesen und mich in US-amerikanischen Foren und auf englischen Seite schlau gemacht. Mich hat die ketogene Ernährung fasziniert und seitdem nicht mehr losgelassen.



Wie hat diese Ernährung dein Leben verändert?

Positiv auf jeden Fall! Ich wiege jetzt 80 kg, fühle mich mit 43 Jahren topfit, mein allgemeines Wohlbefinden ist enorm gut: Durch die Ernährung hat sich meine Schlafqualität wesentlich verbessert, Migräne-Attacken sind fast gänzlich verschwunden, ich bin den ganzen Tag viel konzentrierter und kann mich besser fokussieren und voller Elan. Mit ein paar Unterbrechungen habe ich seit 2014 ganze 22 kg reine Fettmasse verloren – ohne Sport! Ohne zu hungern und ohne den Verzicht auf geschmackvolles Essen. Ich könnte jetzt einen Roman über die Vorteile dieser Ernährung schreiben, aber ich muss mich etwas kurz fassen (lacht).

Welche Vorteile von Keto sind für dich die überzeugendsten?

Die immense Verbesserung der Lebensqualität und innerhalb kürzester Zeit so viel Fettmasse zu verlieren. Unglaublich was erreicht werden kann, wenn man eisenhart durchzieht! Mich haben bei dieser Ernährung noch viele andere positiven Effekte von den Socken gehauen.

Was waren deine anfänglichen Schwierigkeiten bei der Umstellung auf Keto?

Schwierigkeiten am Anfang waren ganz klar der Verzicht auf Brot, Nudeln, Reis und andere kohlenhydratreiche Nahrungsmittel. Ich erwähne es immer wieder: Brot, Pasta und Zucker sind Drogen, der Körper verlangt immer wieder danach. Das war wie Entzug am Anfang. Ich habe 2006 mit dem Rauchen aufgehört, von heute auf Morgen (vorher hatte ich zweieinhalb Schachteln am Tag geraucht). Glaubt mir, von Brot, Pasta und Zucker wegzukommen war schwieriger für mich als mit dem Rauchen aufzuhören. Diese erwähnten Lebensmittel rauben uns Lebensqualität und unsere Gesundheit!

Wahnsinn, Glückwunsch! Was rätst du aus deiner jetzigen Sicht Anfängern?

Ich bin ein Hardliner. Setzt euch ein Ziel, fragt euch: Wieso, weshalb und warum wollt ihr euer Leben umkrempeln? Wenn der Wille erst da ist, solltet ihr sofort loslegen und euch ketogen ernähren. Ich mag keine Umwege, ich will mich sofort zum Ziel beamen. Und das ist mit der ketogenen Ernährung viel schneller zu schaffen als mit allen anderen Diäten und Ernährungsformen. Zieht es knallhart durch für einen Monat und beobachten, wie viel Gewicht ihr verliert, welche Krankheiten sich bessern oder sogar verschwinden, notiert euch alles! Und ich wette, ihr werdet nach diesem einem Monat weitermachen! Hört nicht auf andere Leute und Ernährungsberater, die euch das schlecht reden oder abraten. Probiert es selber aus und zieht selbst ein Fazit! Wenn ich auf andere gehört hätte, würde ich immer noch mit über 100 kg durch die Gegend rollen!



Sicher gibt es auch mal Situationen, in denen es schwieriger ist, sich Keto-konform zu ernähren. Wie bleibst du trotzdem am Ball?

Nach sieben Jahren und viel Erfahrung, entstehen solche Situationen selten. Ich will diese Lebensqualität und Wohlbefinden von Keto so schnell wie möglich zurück erlangen, wenn ich mal aus der Ketose fliege. Egal, wie die Situation ist, nehme ich keine Weizenprodukte, industriellen Zucker und keine Geschmacksverstärker zu mir. Letztes Jahr bin ich aus der Ketose rausgeflogen, weil wir mit den Kindern Erdbeerpflücken waren und ich Unmengen davon gegessen habe, aber das hat mir nichts ausgemacht. Nach 3 Tagen war ich wieder in der Ketose.

Wie hältst du es mit dem Snacken bei der ketogenen Ernährung?

Ich snacke auch mal gerne, das ist kein Problem. Ich esse gerne zwischendurch kohlenhydratarme Nüsse wie Mandeln, Walnüsse, Macadamia- oder Paranüsse mit Parma- oder Serranoschinken und etwas Käse. Oder ich backe mir auf Vorrat ein Keto-Brot oder Wraps und esse dann auch wie bei einer Brotzeit.

Machst du auch mal Ausnahmen und musst dich danach wieder sehr disziplinieren?

Ausnahmen habe ich nicht gemacht seit zwei Jahren, also kein Brot, Nudeln oder Zucker zu mir genommen. Vielleicht werde ich eine Ausnahme machen, da ich eine verrückte Wette geschlossen habe und der Verlierer versuchen wird eine ganz Schwarzwälder Kirschtorte aufzuessen (lacht). Klar muss man danach sehr diszipliniert sein. Wenn man Kohlenhydrate verzehrt, befindet sich der Körper wieder im Hungermodus, die Bauchspeicheldrüse macht wieder ihre Achterbahnfahrten und du denkst wieder nur an Essen. Diesen Kreislauf muss man mit Disziplin durchbrechen um in die Ketose zu kommen.

Du bist sogar Keto-Koch – wolltest du denn schon immer Koch werden?

Mit 20 Jahren fing es an: Ich brannte förmlich danach, Koch zu werden. Mich fasziniert dieser Beruf! Man lernt niemals aus, stetig lernt man Neues hinzu durch die verschiedenen Arbeitsplätze,durch Koch-Kollegen aus unterschiedlichsten Ländern und Kontinenten. Ein Beruf mit viel Stress, der aber auch unglaublich viel Spaß machen kann, wenn man ihn mit Herzblut ausübt und immer etwas Neues kennenlernen und sich weiterbilden will.



Du kochst viele verschiedene Gerichte und kombinierst auf spannende Weise Geschmäcker. Woher nimmst du deine Inspiration für die vielen Gerichte?

Als Koch muss man sehr kreativ sein, ich will immer ein Essen kochen, das ich vorher noch nicht gemacht habe. Damit auch mein Content sehr vielfältig und nicht eintönig wird. Inspiration schießt mir beim Einkaufen schon in den Kopf. Ich weiß vorher nie, was ich kochen werde, erst wenn ich die Ware vor mir stehen habe, weiß ich was es geben wird. Ich mag es nicht nach Rezepten zu kochen, ich liebe Spontanität.
Manchmal kommen sogar ganz neue Gerichte dabei raus. Ich mag es sehr, Gerichte aus verschiedenen Kontinenten und Ländern zu kombinieren bzw. zu fusionieren, ich nenne das Völkerverständigung (grinst). Denn das Kochen ist viel mehr für mich als nur ein Mittel um satt zu werden.

Worauf kannst du in der Küche nicht verzichten?

Auf mein Kochmesser, ganz klar, meine Gewürze und natürlich die Zwiebel.

Deine Rezepte konnte man Anfang des Jahres bei BILD Online sehen, einem Medium, das von über 3 Millionen Lesern täglich gelesen wird. Wow! Wie kam die Kooperation zustande?

Bild hat Anfang des Jahres eine Serie gestartet: Fit von Kopf bis Fuß. Man hat mich angerufen und gefragt, ob ich die Gerichte dafür kochen könnte. Bei der Serie waren  Ärzte, Psychologen, Ernährungswissenschaftler und Orthopäde involviert. 
Von jedem bekam ich eine Liste von Lebensmittel zugeschickt, aus denen habe ich meine Gerichte kreiert. Jedes Gericht war für einen Körperteil bestimmt wie zum Beispiel für Bauch, Beine, Rücken, dann für die Psyche und je ein Gericht für die Frau und den Mann. Ich habe alle Gerichte ketogen gekocht. Für mich war das eine einmalige Chance diese Ernährung bekannter zu machen, das ist meine Mission.
Im Sommer 2020 hat man auch bei Business Insider einen Artikel über mich gebracht, bei dem ich mit der Redakteurin drei ketogene Gerichte zubereitet habe. Das war mindestens genauso gut für mich, um Keto bekannter zu machen, der Artikel ist groß und online nachzulesen (hier). Nicht jeder bekommt so eine Möglichkeit wie ich, die ketogene Ernährung bekannter zu machen und darauf bin ich stolz!

Gibt es etwas beim Kochen, das dir auch im Leben hilft?

Beim Kochen muss man stressresistent sein, darf den Überblick nicht verlieren und in vielen Situationen die Ruhe bewahren. Das hilft mir im Leben super weiter.

Vielen Dank für deine Zeit, Erhan! 

Wer nun Lust auf kulinarische Inspiration bekommen hat, der folgt Erhan auf Instagram


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